Alte Werkzeuge entdecken - Wie alte Werkzeuge dem Menschen halfen


01.03.2020 | PhilVanB | Geschichte | Alte Werkzeuge

Alte Werkzeuge entdecken - Wie alte Werkzeuge dem Menschen halfen

Ob das Schlichtbeil des Fassbinders, das Schlichtmesser des Korbflechters oder das Leistenschneiderbeil des gleichnamigen Berufes, ob in der Landwirtschaft oder im Handwerk, alte Werkzeuge üben auf Ihre Liebhaber eine große Faszination aus.

Alte Werkzeuge – Ein Universum für sich

Alte Werkzeuge definieren sich als Arbeitsgeräte, die unmittelbar von der Hand des Arbeitenden bewegt werden und sich dadurch von Geräten oder Maschinen unterscheiden. Und alte Werkzeuge geben uns einen interessanten Einblick in das Leben der Menschen aus längst vergessenen Zeiten.

Das Buch vom Werkzeug Einen umfassenden Überblick über das Universum der historischen Werkzeuge gibt das Buch vom Werkzeug von André Velter und Marie José Lamothe. Dieses Buch ist mehr als ein Katalog über alte Werkzeuge. Mit vielen farbigen Bildern informiert dieses knapp 500 Seiten starke Werk nicht nur nahezu umfassend über alte Werkzeuge, sonder auch über die damit verbundenen Berufe und Rohstoffe der damaligen Zeit.

Das Schlichtbeil des Fassbinders

So ist das hölzerne Fass von den Kelten erfunden worden. Die Römer haben es bei der Besetzung Galliens übernommen und vornehmlich als Weinfässer genutzt. Im Laufe der Zeit ist dann der Beruf des Fassbinders entstanden, dessen Beruf verschiedenste alte Werkzeug einsetzt. Meist aus Eichenholzklötzen werden durch mehrfaches Spalten in Faserrichtung sogenannte Dauben erstellt. Dauben sind die Brettchen, die das Fass rundrum begrenzen. Mit dem Schlichtbeil gibt der Küfer dann den Dauben ihre endgültige Form. Kompliziert ist hier, dass es keine geraden Linien, sondern nur leichte Krümmungen gibt. Das Schlichtbeil besitzt immer eine Länge zwischen 36 und 38 cm und eine Breite von 17 cm. Dieses alte Werkzeug wiegt zwischen vier und viereinhalb Kilo.

Die alten Werkzeuge des Korbflechters

Die Zentren der Korbflechterei befanden sich meist in Gegenden, wo die Korbweide in reichlichen Vorkommen wuchs. Bei Korbflechter gilt, dass keines seiner alten Werkzeuge unerlässlich ist. Die alten Werkzeuge dieses Berufes sind vom Gärtner, Schreiner und dem Koch (Messer) entlehnt. Charakteristisch ist das Schlichtmesser, das mit seinen beiden, quer über die beiden Seiten gehefteten Klingen die Spleisse in kleine dünne Lamellen spaltet. Ein weiteres altes Werkzeug des Korbflechters ist das Ausweiteeisen, welches im Gegensatz zum Schlichtmesser die Spleisse in breite Lamellen zerlegt.

Das Leistenschneiderbeil

Die Kunst des Leistenschneiders besteht darin, eine Art Holzschuh zu fertigen, in den zwar niemals ein Fuss schlüpfen wird, der aber später einem Schuhmacher dient. Der Schuhmacher nimmt den Holzschuh um Schuhe und Stiefel daran anzupassen. Diese Formen werden Leisten genannt und sind meist aus Buchenholz, manchmal auch aus Nussholz oder das Holz des Elsbeerbaumes. Das Holz wird zunächst zu einem groben Dreieck geschlagen. Mit dem Leistenschneiderbeil wird dann auf dem Hauklotz die Form angedeutet. Dieses alte Werkzeug ist sehr lang, besitzt eine gerade, regelmäßig gerundete Klinge, das Gewicht liegt bei ungefährt dreieinhalb Kilo. Die endgültige Form der Leiste wird dann auf der Schnitzbank mit dem Stabeisen erreicht. Schließlich wird die Leiste noch mit weiteren alten Werkzeugen geglättet, wie etwa mit Feilen, Raspeln, Kratzeisen oder Glaspapier.

Alte Werkzeuge – So fern und doch so nah?

Abschließend lässt sich sagen, dass alte Werkzeuge uns sowohl sehr fern als auch sehr nah liegen. Fern, weil Sie aus einer alten Zeit lange vor der Serienherstellung und Normierung des Arbeitsgerätes stammen. Nah, weil uns die alten Werkzeuge träumen lassen, von alten, längst vergessenen Zeiten, in denen das Leben noch langsamer und ruhiger floss. Der Begriff menschliche Arbeit wurde ganz anders definiert als heute. Seit dem Auftauchen der Grossindustrie gibt es Schaffensunlust, die die Neu-Schöpfung von Dingen zur blossen Produktion werden liess.

Zum Abschluss sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Sie weitere umfassende und interessante Information über alte Werkzeuge im Buch vom Werkzeug finden.